Die Jazz-Musik, die in den späten 50ern bis Mitte der 60er in Solingen einen regelrechten Boom erlebte, veranlasste den Gründer und heutigen Besitzer des Mumms, Franz-Werner Schwarz ins "Wirtschaftsleben" zu wechseln.
Seiner Musikleidenschaft folgend gab er seinen Beruf als Schriftsetzer auf und gründete 1960 den Jazz-Club Ritterstrasse. Dort spielten Top-Acts wie Wolfgang Dauner und Klaus Doldinger, von dem die bekannte Tatort Titelmelodie stammt.
Mitte der 60er verlor der Club durch die aufkommende Rockmusik im Sog der Beatles-Euphorie seine Attraktivität. Das "Aus"kam mit der Kündigung des Mietvertrages 1966.
Franz schaute sich nach neuen Räumlichkeiten um und die Brauerei Beckmann, die schon die Milchbar "Luna" mit Bier beliefert hatte, vermittelte ihm und seinen zwei Mitstreitern die Räumlichkeiten und gewährte dem Trio einen Kredit für den Umbau.
Milchbar "Luna"
Noch während des Umbaus stiegen die zwei Kollegen aus, so dass Franz die Kneipengründung allein vorantrieb. Die Milchbar "Luna", die 1957 eröffnet wurde, war neben dem Jazz-Club ein beliebter Treffpunkt der Solinger Jugend und das Mumms erbte das Publikum.
Nach der nötigen Schallisolierung eröffnete das Mumms am 31. Oktober 1967.
Franz W. Schwarz ca. 1967
In den 70ern wurde das Mumms in Ermangelung öffentlicher oder kommerzieller Jugendtreffpunkte zur beliebtesten Szenekneipe in Solingen. Mitte der 70er gab es einige Neugründungen von Kneipen mit ähnlicher Ausrichtung und die Discotheken bekamen verstärkten Zulauf.
Trotz dieser Konkurrenz blieb das Mumms eine der am meisten besuchten Kneipen der Stadt.
Wilde Zeiten hat das Mumms hinter sich, in denen es auch schon mal Razzien gab und die Polizei den zu laut spielenden Musikern die Hände festhielt, um sie vom Eindreschen auf das Schlagzeug abzuhalten. "Es gab Zeiten, da hieß es, wir seien eine Lasterhöhle, was natürlich Unsinn war, aber dieser Ruf hat uns viele Gäste beschert" grinst Franz Schwarz.
Trotzdem (oder gerade deshalb) hat die Kneipe bis heute Kultstatus. Veranstaltungen wie die Treffen am 24. Dezember und Silvester, zu denen die Gäste aus der ganzen Republik und dem Ausland anreisen um Erinnerungen auszutauschen, sind legendär.
Michael "Larry" Lesch




